Provinz im Kopf

Letzens war ich mit dem M. unterwegs. Wir fuhren in seinem exclusiven Sportwagen durch Würzburg und parlierten so über das Leben hier. Bei dieser Gelegnheit echauffierte sich der M. über die Presse der kleinen Stadt. „Provinziell“ sei die, Dorfreporter und Wichtigtuer auf Niveau von Schülerzeitungen. Das stimmt wohl, wandt ich ein, aber sie tun ja auch nur ihren Job, und sicherlich gibts in größeren Städten auch Journalisten, die nix können.

sshot-2Endlich: Text und Bild ergeben eine geschlossene Aussage*.

Ja, Würzburg, das ist Provinz. Nicht so schickimicki wie München, nicht so groß wie Berlin, und nicht so weltoffen wie Hamburg. Im Fußball fünftklassig, im Basketball drittklassig, nur im Ping-Pong, wenns noch stimmt, ganz oben. Und im Hinblick auf PR- und Werbeagenturen scheinbar, ganz ganz, unfassbar weit unten. Sichtbar wird dieser Umstand an der neuen, so genannten Imagekampagne Würzburgs. „Provinz auf Weltniveau“, die hier in der Stadt ziemlich hohe Wellen schlägt, ein Provinztsunami, möchte man fast frotzeln.

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Welch ein Wunder, alle regen sich über den Werbeslogan auf, monieren, dass man das Wort „Provinz“ nicht unbedingt in einem Werbeslogan haben will, der doch für die Stadt werben und nicht abschrecken soll. Sogar der geschätzte Universitätsprofesser W. machte sich demletzt ziemlich deutlich über den geglückten Versuch, Würzburg zu schaden, lustig. Dieter Schneider, Provinz-PR-Athlet, polarisiert, das muss man ihm lassen, auch wenn für ihn so simple Sprüche gelten wie „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“ oder, für seine Kampagne, „Auch schlechte PR ist PR“

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„Der gemeine Würzburger steht morgens auf und fragt sich, wie er den Fortschritt verhindern kann“, schreibt Herr Schneider in seinem Weblog. Danke für die Beleidigung. Nur weil diese unterirdisch schlechte Idee keinen Beifall findet, sollten man vielleicht mal versuchen, eine bessere zu haben, als die Leute zu beleidigen. Und so wie im Fußball, wo man sagt, wer vorne kein Tor schießt, der soll wenigstens hinten zu Null spielen, wissen diese Leute wenigstens intuitiv, offenbar im Gegensatz zu Herrn Schneider, wie man Werbung nicht machen sollte.

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Doch, das dürfen wir nicht vergessen. Herr Schneider will ja nicht nur eine simple Werbekampagne kreieren, nein! Er will gleich mal, so nebenbei, die Werbewelt revolutionieren. „Ja! Fangen wir doch mal an authentisch zu werben“ sagt er. Potzblitz!

Ich warte ab nun gespannt auf die Werbung des Rüsselheimer Autoherstellers: „Wir bauen total langweilige und miese Karren, die technisch veraltet sind. Außerdem sind wir bald pleite. Aber immerhin auf Weltniveau“ oder die aus Stuttgart: Unsere Blechkiste ist sauteuer und schluckt mehr Sprit, als wir ihnen weißmachen wollen, aber dafür ist ihr Nachbar dann neidisch auf sie“. Ja, Authentizität nach vorne, das rockt! Wenn ich diese Anzeigen sehen werde, aber auch nur dann und erst dann, werde ich, rein aus Prinzip, die Provinzidee toll finden. Bis dahin finde ich sie aber einfach nur beschissen und unterirdisch schlecht.

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*alle gezeigten Bilder sind Eigenkreationen und haben nichts mit der offiziellen Stadtmarketing-Kampagne zu tun.

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