Wir freuen uns, zu hören…

Geschäfte machen wäre eine feine Sache, gäbe es so etwas wie Kunden nicht. Käufer, ja, das geht noch. Aber bitte keine Kunden. Hat man ja auch nur Ärger mit diesen Arschlöchern.

Sachen Kaufen wäre so schön, gäbe es den ehrbaren Händler noch. Aber Pustekuchen. Nur noch auf Abzocke sind sie aus, diese Halsabschneider und Kleingedrucktetrickser.

Wohl schon seit Jahrtausenden beschweren sich die einen über die anderen, häufiger Streiten sich wohl nur Mann und Frau nach dem EwigenTreueVersprechen™. Ehepaare. Die haben ja auch immer irgendein riesiges, unlösbares Problem.  Neuerdings müssen sie sogar selbst schon im Kleingedruckten nachlesen, bevor sie mit dem Rechtsanwalt der Gegenpartei verhandeln. Glücklich, wer Kleingedrucktes nicht mit Menschen verbindet, die er öffentlich seine Liebsten nennt. Mir jedenfalls bleibt nur mein Dasein als Kunde. Und als so ein Kunde habe ich mal ein tolles Gerät gekauft, das mir manchmal ferne Stimmen ganz nah bringt und mir außerdem sagt, wann ich wo sein muss, und ob die Grünanlage im Zimmer wieder etwas Bewässerung braucht oder nicht.

Gut, es könnte toll sein, wäre es nicht eine Fehlkonstruktion. Die irdische Hülle, die Verschleierung alles Seins dieses Geräts hat nämlich einen Fehler: sie bricht manchmal (oder öfter, wie mittlerweile auch aus eigener Erfahrung gelernt.) Was liegt da als Kunde näher, als einmal bei dem betreffenden Unternehmen vorstellig zu werden und nachzufragen, warum so eine Investition im Studentenmonatseinkommensbereich nach wenigen Wochen so etwas wie eine tiefe innere Zerissenheit zeigt. Vielleicht hat das Ding ja auch Psychologische Probleme und kann sich nur nicht gescheit ausdrücken, weil immer jemand anderes aus ihm spricht. Wer weiß.

Zurück zum Plot: Wer ist das Unternehmen? Und wo? Der Verkäufer jedenfalls ist nicht zuständig, wie er mitteilen lässt. Er vertreibe das Gerät nur, hergestellt habe es jemand anderes, und der sei zuständig, leider aber in Deutschland nicht vertreten. Nächste Haltestelle: England, was kein Problem ist, denn die Engländer verstehen ja alle Deutsch. Oder aber auch andersrum.

Zum Glück gibt es das Internet. Weniger, weil man twittern und studivozn kann, sondern weil sich die Unternehmen nicht mehr im nirgendwo verstecken können, sondern neuerdings hinter einer Webpage, auf der sich meistens soetwas wie ein Kontaktformular findet. Dort kann man dann seine Mitteilung mitteilen, die danach im nirgendwo verschwindet. Es war Anfang Juli, die Sonne erweckte die Illusion als ob die Heimat am Mittelmeer liege, und frohen Mutes machte ich mich an das Verfassen eines wohlausgefeilten Beschwerdeschreibens, das eher einen Literaturpreis gewinnen wollte, als Engländer zur Lösung eines Problems zu bewegen.

Ich informierte also die weitentfernten und nur auf mich wartenden Kundenzufriedenheitsbeauftragten in England, dass mein Produkt in Deutschland nicht zu meiner Zufriedenheit funktioniere, ich gab Gründe, Erklärungen, Abschweifungen, Parabeln und Metaphern, außerdem noch ein wenig Ironie und drei Anaphern und hoffte, dass dies den oben genannten Kundenzufriedenheitsbeauftragten dazu animiere, etwas zu unternehmen. Ich rechnete schon: geschäftliche Elektropost muss innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden, und weil ich viel Empathie besitze und überaus polite bin, wenns 48 Stunden werden, lasse ich den sanften Nebel des Schweigens über die Angelegenheit fahren und vergesse. Im Vergessen bin ich gut, darauf kann man sich verlassen und ich habe schon große Taten und wichtige Informationen vergessen. Außerdem ist England ja die Heimat der Höflichkeit, den angelsächsischen Kundenservice bekomme ich täglich gepriesen, da wird schon nichts schief gehen.

Es wurde August, die Mittelmeersonne Deutschlands schien wärmer als in all den Dekaden davor, es wurde September, es war immer noch warm, doch die Mittelmeersonne verschwand. Es wurde Oktober, und böses Germanenwetter drängte sich durch die Straße, in der ich residiere. Es wurde November, und selbst die Germanen wären böse geworden, hätten sie gesehen, welche Untaten Wind und Temperatur ihnen antuen wollten. Doch Weihnachten stand vor der Tür, und in milder Gemütslage offenete ich einige Elektropost, um die langersehnte und doch schon vergessene Antwort des Kundenzufriedenheitsbeauftragen zu finden. Endlich, man hat mich erhört, und man will sicher sicherstellen, dass ich, als Kunde, zufrieden bin.

Ich öffne den Elektrobriefumschlag, und meine Augen ertasten die ersten Buchstaben „Hello, Thank you for contacting HTC Europe. We apologise for the late reply, it is due to issues we have had with our mail servers. If your issue has not been resolved, please fill out a new email form from our website“. Vom Inhalt meiner Nachricht scheinen sie jedenfalls keine Notiz genommen zu haben.

Jawohl, so sichert man die Kundenzufriedenheit. Und in feinster englischer Höflichkeit teilen sie mir noch mit, „Please do not reply to this email“. Und was ist, wenn ich es doch wage? Jedenfalls war das weder die englische Höflichkeit, die ich erwartete, noch die angelsächsiche Initiative für mehr Kundenzufriedenheit, die ich versprochen bekommen hatte. Doch es war Weihnachten, wer kann da schon seinem nächsten arg böse sein. Und nach einem halben Jahr mit ramponiertem Gerät hatte ich mich an den Mangel gewöhnt, ach was, verliebt hatte ich mich in das Ding. Wer will schon…

Ich antwortete trotzdem.  Wer freundlich unfreundlich sein will, der nutzt Ironie, nicht Befehle in ihrer blanken Hässlichkeit. Ich nutze also die Ironie, bedankte mich artig für die ungewöhnlich schnelle Bearbeitung meiner Frage und den äußerst kundenfreundlichen Lösungsvorschlag für mein Problem. Sicher braucht ihr kein Lob dafür, es ist für ein Unternehmen selbstverständlich, seine Kunden mit dem höchstmöglichen Respekt zu behandeln, schließlich soll der ja wieder einmal Käufer werden. Macht euch aber keine Sorgen, ich habe das Problem in der Zwischenzeit gelöst. Die Lösung war einfach: es gibt viele Hersteller solcher Geräte, und ob das Ding mit N oder S oder H anfängt ist für mich nur von sekundärer Bedeutung. Falls ihr in der Zwischenzeit aber über eine darüber hinausgehende Lösung nachgedacht habt wäre ich sehr erfreut, wenn ihr mir diese mitteilen würdet.

1. Advent. 2. Advent. 3. Advent. 4. Advent. Weihnachten, Neujahr. Dreikönig. Studim geht nach den Weihnachtsferien weiter. Post aus England kommt, zu meiner großen Überraschung.  Sie entschludigen sich, dass ihre Elektropost mich nicht gefunden habe, was eine überaus freundliche Entschuldigung ist. Es war meine Schuld, dass ihre Elektropost mich nicht finden konnte, denn ich habe mich hinter einer scheußlich nichtssagenden Elektropostadresse versteckt, da konnte die Elektropost mich sehenden Auges nicht finden. Außerdem, was solle den der ganze Terz, „We are pleased to hear that the issue was resolved“. Ob sie die Lösung des Problems verstanden haben?

Damit gab es nichts weiter zu sagen, jedenfalls für die Kundenzufriedenheitshersteller aus England. Für mich auch nicht. Dennoch werde ich mir nie wieder ein Produkt von HTC kaufen. Und wer jetzt kommt und sagt, bäh, einfach so öffentlich nachtreten, nicht die feine Art, nä! dem antworte ich: wenigstens mit Metapher, Kultur, Ironie, Litotes und ähnlichem Scheiss. Darum gings nämlich, und nicht um den Inhalt. L´Art pour L´Art.

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