Porsche kaufen und ähnliche Strategien

„Es gibt nichts besseres als den Dingen ins Gesicht zu sehen“
Jean-Paul Sartre

Aus meinem BWL-Studium habe ich nicht viel mitgenommen. Gut, ein paar Bücher aus der Bibliothek, nichts weiter Nennenswertes, dazu ein paar grundlegende Erkenntnisse, die man besser schnell vergisst als lange behält. Wie nicht anders zu erwarten brachten sämtliche Professoren der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in zwei Jahren genau einen intelligenten Satz zustande. Der Satz stammt von Prof. T., der neben der Absonderung dieses einen Geistesblitzes mehrheitlich als Arschloch auffiel, sei es gegenüber den Studenten, sei es gegenüber der Allgemeinheit. Sein Lieblingssatz war: „Ich bin total stolz darauf, dass mein Unternehmen tausende Arbeitsplätze überflüssig macht“. Doch er konnte auch anders. „Falls ihr mal Selbstständig sein solltet, kauft euch als erstes einen Porsche. Das wird die beste Investition eures Lebens sein“, sagte Prof. T. in der vermutlich hellsten Minute seines Lebens.

Es ist eine ultimative Wahrheit, gegossen in zwanzig Worte oder 127 Zeichen. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht und sagen laut: So ist es! Es muss nicht unbedingt eine Kreation der Edelschmiede aus Stuttgart sein. Etwas Abwechslung schadet sicher nicht, es gibt Maranello, Coventry, oder die Automanufaktur aus Gaydon, Warwickshire, der sogar James Bond vertraut. Es ist nicht das Auto selbst, dass so interessant ist. Man kauft natürlich: Exklusivität, ein ansprechendes Design, edle Materialien, mehr Hubraum und PS.

Viel wichtiger aber: man kauft den Neid der Nachbarn, die Bewunderung von Kindern und Autofetischisten, dazu die Anerkennung der Geschäftspartner, kurz: Prestige. Prestige ist unbezahlbar. Das Prestige ist eine Art Herrschaft, die man über andere ausübt – sofern man es besitzt. Prestige lähmt die Fähigkeit zur Kritik und erfüllt die Seele mit Staunen und Achtung. Ein gutes Fahrzeug ist in diesem Fall ein Werkzeug, um Prestige aggressiv nach außen zu kommunizieren – damit es die Mitmenschen auch wahrnehmen. Es ist ein Zeichen für Erfolg und die symbolische Untermauerung der eigenen Überlegenheit.

Es ist nicht nur Prestige, sondern auch ein psychologisches Paradoxon. Schon die Bibel sagt, wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Ein Porsche (oder Jaguar, Aston Martin, Maserati, …) ist demnach, überspitzt gesagt, die Hoffnung auf die Realwerdung der biblischen Prophezeiung, dass der eigene Reichtum auch später noch bestehen und sich vermehren wird. Wer reich scheint, der wird auch viel Geld verdienen, so das theoretische Versprechen. Die Investition würde sich, abgesehen von all den steuerlichen Vorteilen, die der Kauf eines solchen Dings für Selbstständige bietet, reichlich und mehrfach rechnen.

Natürlich kann man sagen, dass diese ganze Theorie reichlich oberflächlich und armselig ist. Teures Auto, materialistisches, Denken, etc. pp., zur vertieften Lektüre lesen Sie ab hier bitte weiter im Parteiprogramm der Linken. Keiner bestreitet dies, doch ein einfacher Test zeigt die Wirksamkeit:

Situation 1: Sie haben einen Geschäftstermin vereinbart und werden von ihrem Geschäftspartner in einem Opel Corsa abgeholt.

Situation 2: Sie haben einen Geschäftstermin vereinbart und werden von ihrem Geschäftspartner in einem Aston Martin DB9 abgeholt.

Sehen sie da einen Unterschied? Mit welchem der beiden würden sie eher Geschäfte machen?

Im Endeffekt zählt auch gar nicht, ob man wirklich reich ist, geschweige denn ob diese Strategie glücklich macht. Wohl keines der hier gezeigten Fahrzeuge trägt direkt zu persönlichem Glück bei, doch darum geht es auch nicht. Wir leben nun einmal – ob man das will oder nicht – in einer (Geschäfts-)Welt, in der die Oberfläche mehr zählt als der Kern der Dinge, weshalb man – in diesem Milieu, wohlgemerkt – nicht reich sein muss, sondern nur den Anschein danach erwecken können sollte. Es interessiert auch wirklich nicht, wie man das Auto bezahlt, solange man es nur besitzt.


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Screenshots: Webpages Porsche, Jaguar, Aston Martin

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