Wahlsonntag, retrospektiv

Geschafft. Der Wahlkampf ist vorbei. Gut, er hat erst gestern richtig angefangen, bei Stefan Raab, als Münte aufgeregt in Gysis Nase popeln wolle, und Guttenberg müde Witze über die Piratenpartei machte. Ist auch schwierig, so ein großkoalitiver Wahlkampf.

Wählen geht man am Wahltag morgens, dann kann im Laufe des Tages die Spannung angemessen steigen, bis die ersten Reaktionen kommen. Die erste Reaktion kam heute vom örtlichen Schund- und Schandblatt. Dessen Reporter glänzten durch gelebte journalistische Arbeitsverweigerung, kombiniert mit Offenbarung der eigenen kleinlichen Geisteshaltung. „Diffuse Wahlprognosen auf Twitter“ meldete die Internetseite der Provinzzeitung um 17:35.

Schon vor dem Schließen der Wahllokale hätten „einzelne Twitter-Nutzer“ Prognosen veröffentlicht, „teilweise sogar bis auf die Zweite Stelle hinter dem Komma.

Das Internet schon wieder! Kriminelle, alle! Internetsperre! Vorratsdatenspeicherung!

Böse, sagt auch das lokale Schund- und Schandblatt. Denn: „Bundeswahlleiter Roderich Egeler hatte vor der Bundestagswahl gewarnt, dass das Veröffentlichen detaillierter Prognosezahlen am Wahltag laut Bundeswahlgesetz mit bis zu 50 000 Euro bestraft werden könne“. Soooo böse, dieses Twitter!

Ich schaute mal kurz bei twitter vorbei und checkte die angeblichen Wahlprognosen. Die Zahlen kamen mir bekannt vor, ich surfte dimap an, da standen die Zahlen auch. Sie waren vom 18.09. Die twitter-user waren schlicht zu doof das Datum zu checken, und die Leute von der Mainpost vom lokalen Schund- und Schandblatt zu doof -oder zu faul-, das nachzuprüfen.

Anyways, eine halbe Stunde noch.

Es ist 18 Uhr, N24 bringt die ersten Hochrechnungen – diesmal legal, die Wahlkabinen haben gerade geschlossen.


Lebt in der Vergangenheit: N24. Da gibts sogar noch die PDS. Später erzählten sie dann noch etwas vom SED-Kadergehorsam.

 

Die ARD suchte den größten politischen Lügner


Ich bin aus Bayern. Ich kann nicht zulassen dass unsere Staatspartei in der Feindpresse derart bloßgestellt wird. Auch wenn ich die CSU nicht mag. Immerhin: Bei dieser Wahl hat die CSU gewonnen. Bei den Unehrlichen.

 

Als erstes treten die SPD-Leute in ihrer Zentrale vor die Kameras. „Cool, alle SPD-Wähler in einem Raum“ spottet einer bei Twitter. Steini und Münte trugen die Große Koalition zu Grabe, stilsicher in schwarz-roter Krawattentracht. Münte wird später mit seinem früheren Satz zitiert: „Opposition, das ist Mist.“


Nachdenklich: Steini


Münte gegen die Statue. Die Statue wirkt gelassener. Und frischer.

 

Das N24 hat ne tolle Idee. Die stellen dem Bundestag ihre Reporter aufs Dach. Das ist ne großartige Leistung, so subversiv, eine verhohlene Drohung: Wenn ihr uns betrügt, dann steigen wir euch aufs Dach! — Nein, ist es natürlich nicht.

 

Aber Friedman als Kommentator ist schon ok.


Friedman: „Frau Merkel wird es schwer haben beim Regieren mit dem Wunschpartner. Das könnte schwerer werden als mit der lahmen Ente SPD.“

Zwischendrin kommt die SEDPDSLINKE, in irgendwie komischer Farbgebung. Schwarz, Weiß, Rot. Die Linke kommt bei der ARD, bei N24 nicht, was doch überrascht. Die Linke bei der ARD?

Direkt nach der Linken wagen sich die nächsten Extremisten nach vorn. Die CSU. Auftritt Seehofer. „Das Ergebnis stellt nicht zufrieden“ sagt er. Immerhin hat die CSU auf Bundesebene knapp die 5%-Hürde geschafft. Als Seehofer später einige Parteigenossen namentlich bei der Dankesrede für „diesen großartigen Erfolg“ nannte wusste man: hier sind einige politische Karrieren vorbei. Das Bild bei N24 ist übrigens besser als das von der ARD. Die Körperfarbe Seehofers in der ARD hatte etwas bedrohlich Totes an sich. Bei N24 sah das netter aus.

 

Die Spannung steigt, Merkel war noch nicht da, Guido auch nicht. Es wird dunkel.

Auf Twitter fragen sich die Leute, was passiert, wenn unser schwuler Außenminister in den Vereinigten Emiratischen Arabien beim Staatsbesuch festgenommen wird. Schwulsein steht dort immerhin unter Strafe.

Doch erstmal Merkel. Auch sie trägt stilsicher rot-schwarz zu Grabe. Man kann ihr die Trauer über das Ende der Koalition im Gesicht ablesen. Traurig ist die Frau!


„Schöne Party. Herzlichen Dank. Alles Gute“

Auch Merkel wirkt bei N24 lebendiger.


„Ich will die Kanzlerin aller Deutschen sein. Grins.“


„Ich will einfach einmal aussprechen, dass ich glücklich bin.“

 

Zuletzt tritt der Vizekönig auf. Guido hatte, frei nach Sido, seine ganze Gäng mitgebracht und spielte den Anführer.

Bei der ARD übrigens, das verwunderte auch, kam Guidos Rede zeitversetzt. Als er anfing war irgendso ein Experte noch im Satz, und der dauerte halt etwas länger.

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