Die Römer, europäisches Vorbild

Die Römer! Ein tolles Volk! Diese Helden, die Väter Europas, everybody´s darling, die in ihrer inneren Entwicklung „etwas einmalig neues“ schufen und deren „organisatorische und kulturelle Leistungen […] auf bestimmten Gebieten bis heute ein gemeinsames Erbe vieler europäischer Völker darstellen“*. Die Römer, das waren die Gutmenschen der Antike, möchte man manchmal denken.

Schade nur, dass bei genauerer und sorgfältigerer Betrachtung dieses positive Bild nicht bestehen bleiben kann. Der Historiker Zimmermann attestiert den Römern in seinem Werk „Rom und Karthago“ gar ein „notorisches Unvermögen, […] bestehende Grenzen zu akzeptieren“ und eine „Unbekümmertheit im Umgang mit vertraglichen Bindungen“, was so genial euphemistisch ausgedrückt wie schonungslos offenbarend für den Charakter unserer Freunde aus Rom ist. Außerdem ist er damit ehrlicher als viele, die die kulturellen Leistungen der Römer feiern, aber keinen blassen Schimmer haben, was es mit der Kultur Roms überhaupt auf sich hatte.

Betrachten wir doch einmal die politische Kultur Roms und fragen uns beispielsweise „Wie gingen die Römer mit ihren Herrschern um, wenn Bevölkerung oder Opposition unzufrieden mit der Machtausübung waren?“



Antwort:

133v. Tiberius Gracchus wollte eine Bodenreform zu Gunsten der ärmeren Bevölkerung durchführen – erschlagen

123v. Gaius Gracchus wollte die Reform wiederbeleben – erschlagen

91v. Konsul Drusus wollte das Bürgerrecht für alle Reichsbewohner – erschlagen

44v.
Caesar wollte ein wenig zu viel Macht – erschlagen

47v. Pompeius wollte den Staat vor Caesar beschützen – ermordet

41 Caligula machte u.a. sein Pferd zum Senator und hatte eine Vorliebe für Frauenkleider – umgebracht

54 Claudius hatte eine Schlampe als Frau – umgebracht

68 Nero – Schläger, Sänger, Schlagersänger. Ließ seine eigene Mutter ermorden. Selbstmord in aussichtsloser politischer Lage.

69
Vierkaiserjahr:
Galba – umgebracht –
Otho, Saufkumpan des Nero – Selbstmord in aussichtsloser politischer Lage
Aulus Vitellius, Kaiser von Juli bis Dezember – umgebracht

96 Domitian, hatte paranoide Verfolgungsangst. Zu recht, wie sich am Ende herausstellte – umgebracht

193 Commodus. Ein frohes Neues Jahr 193. Sie sind… – umgebracht

193 Pertinax. Was will der denn hier? – umgebracht

217
Caracalla. Außergewöhnliche Todesursache für römische Verhältnisse: Opfer einer Verschwörung – umgebracht

218 Macrinus hatte Caracalle umgebracht und wird deshalb wenig später – umgebracht

222 Elagabal heiratet eine Vestalin (!) und lässt römische Senatoren um einen Stein tanzen (!) Ein echter Römer tanzt natürlich nicht. Ein echter Römer haut zu – und lässt den Kaiser umbringen

235 Severus Alexander. Tanzte zwar nicht – war aber trotzdem ne Pussy – umgebracht

238 Maximinus Thrax. Attention, die Gordiane kommen – umgebracht

238
Gordian I – Selbstmord

238 Gordian II – in Schlacht umgekommen

244 Gordian III kam mit 13 an die Macht, wurde nicht einmal 20 Jahre alt – umgebracht

253 Trebonianus Gallus. Braucht man eigentlich noch Gründe? – umgebracht

253 Aemilianus. Valerian ante portas – umgebracht

268 Gallienus – umgebracht

269 Postumus verbietet den Soldaten, eine Stadt auszuplündern – unerhört, das! – umgebracht

270 Quintillus – Rummms, umgebracht

275 Aurelian. Verschwörung: Tod. – umgebracht

276 Florianus. Von Soldaten erschlagen. Da sein Bruder gerade in der nähe war, erledigte man diesen gleich mit.

282 Probus: die Truppe war unzufrieden mit ihm – umgebracht

283
Carus: zack, weg isser! – umgebracht

285 Carinus hatte kein Glück – umgebracht

~310 Maximian: vom allerchristlichsten aller Kaiser in den Selbstmord getrieben

312: Maxentius, Sohn des Maximian: Auf der Flucht vor eben diesem allerchristlichsten Kaiser unglücklich gestürzt. In einen Fluss. Tod.

324:
Licinius: Nach Krieg mit dem allerchristlichsten Kaiser von diesem umgebracht. Und weils so schön war, den Sohn gleich noch mit erledigt. Zwei Jahre später brachte der allerchristlichste aller Kaiser übrigens auch noch seine eigene Frau und seinen eigenen Sohn um.

340: Constantinus II, Sohn des allerchristlichsten Kaisers, stirbt – in einer Schlacht gegen seinen eigenen Bruder Constans

350 Constans erzürnte einen Finanzbeamten – umgebracht

354 Gallus erst von Constantius zum Caesar befördert, dann – umgebracht

Chapeau, Freunde, da haben die Römer wohl etwas „einmalig neues“* geschaffen! Innovativ war der Umgang allemal, denn Kaiser weg bedeute zumeist auch Problem weg. Allein der missliche Umstand, dass auf einen toten Kaiser zumeist ein neuer, lebendiger, Kaiser folgte, sorgte manchmal für schlechte Laune und dummerweise auch für Wiederholung des vorher erlebten.

Wie Nietzsche so schön sagte: Geschichte handelt fast nur von schlechten Menschen, die später gutgesprochen wurden. Nichtsdestotrotz haben die meisten Deutschen, wohl vermittelt durch die Schulzeit, ein absolut positives Bild von den Römern. Kann man nix machen, Geschichte ist immer interessengebunden, und unsere Politik hat nun einmal das Interesse, per schulischer Instruktion dieses Mördervölkchen als die gemeinsamen kulturellen Urahnen des vereinten Europas zu stilisieren.

*Zitat aus dem Lehrplan Bayerische Realschule

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